Diese vorzügliche Kartoffel als Frühernte, so wie auch zum Gebrauch im Frühjahre in besonderen Fällen, sollte häufiger angebaut werden, sie ist die früheste unter allen bekannten Sorten, früh mehlig, sehr wohlschmeckend und ziemlich ergiebig. Die Klage, dass sie nicht gut gerate, gründet sich in einer unrichtigen Kultur. Am Rhein versteht man es ausgezeichnet, die Pflückmölle zu ziehen und einen guten Ertrag daraus zu erzielen. Von den ersten wird der Becher (3 l.) in größeren Städten auf dem Markte zu 2 bis 3 Mark verkauft.
In kleinen Häusern am Rhein werden im Februar ganze Stellagen mit solchen Kartoffeln zum Treiben ausgeschichtet. Die Pflückmölle bedürfen einer trockenen, sonnigen Lage, eines sehr lockeren Erdreiches und einer mittelmäßigen Herbstdüngung von kompost oder von kurzem Rindviehdünger: Die Form derselben ist eine längliche; oben runde; unten etwas zugespitzte, mit einer feinen glatten, weißlich gelben Schale.
Das gekräuselte Laub strebt nicht wie bei anderen Kartoffeln aufwärts, es neigt sich vielmehr nach der Erde hin, weshalb es nötig ist, die Pflückmölle etwas weiter als gewöhnlich zu pflanzen und zwar auf 1 1/2 Fuß (47 cm) Entfernung. Das Beet wird, wie schon bemerkt, im Herbst gedüngt und umgesetzt und vor dem Pflanzen locker gegraben. Unter Berücksichtigung des Klimas und der Witterung, nimmt man die Pflückmölle in der ersten Hälfte des Februar bis Ende des Monates aus dem Keller, (am Rhein geschieht es zu Lichtmeß), bricht falls sie schon zu stark getrieben hätten, die Kellerkeime ab und legt sie an einem mäßig erwärmten Orte auf Bänke oder auf einen Schrank dicht nebeneinander, nicht auf einander, und zwar auf das spitzze Ende, so dass die an dem runden Ende befindliche Keimstelle frei bleibt.
Die Keime dürfen eben so wenig vertrocknen als verlegt werden da anderenfalls die Kartoffel nicht zum Aufgehen gelangt, sondern nur unter der Erde wurzelt und spät eine geringe Ernte von kleiner Frucht liefert. So lässt man die zu treibenden Pflückmölle ruhig stehen, bis im März früher oder später die Witterung das Graben und Pflanzen gestattet. Dieselben werden alsdann aufrecht, die Keimkrone nach oben oder seitwärts, vorsichtig in die zuvor gemachten Vertiefungen gestellt und mit wenig Erde bedeckt. Bei eintretendem Frost muss die Pflanzung mit Stroh, oder was man sonst zum derartigen Schutze gerade zur Hand hat, bedeckt werden.
Sobald sich grüne Spitzen zeigen, bedeckt man solche noch mit etwas Erde, was des flachen Pflanzens und der Kälte wegen nicht versäumt werden darf, und häufelt sie später wie andere Kartoffeln hoch an. Zur Zeit, wo schon einige essbare Kartoffeln vorhanden sein können, sieht man nach, entfernt behutsam die Erde von den Strünken, so daß keine Ranke verletzt wird und nimmt reihenweis die größten derselben weg, häufelt die Erde wieder darauf, damit sie fortwachsen, bis auch die kleineren Kartoffeln die erwünschte Größe erhalten haben, wo dann auch diese auf gleiche Weise weggenommen werden.
So fährt man fort, bis das Laub welk geworden, und nach kurzer Zeit der Rest ausgegraben wird. Zu Pflanzkartoffeln für das nächste Jahr bleibt ein beliebiger Teil bis zur völligen Reife unberührt, d h bis das Laub trocken erscheint. Man nimmt dann die Kartoffeln aus der Erde, sucht die mittelgroßen zum Legen aus, breitet solche zum Nachtrocknen an einem luftigen Orte auseinander und bewahrt sie darnach im Keller, etwa in Körben.
Zum Aufbewahren der Pflanzkartoffeln gehört ein recht kühler und trockener Keller, worin kein Frost zu befürchten ist. Möchte derselbe so beschaffen sein, dass die Pflückmölle zur rechten Zeit kleine kräftige Keime treiben, so bedarf es der bemerkten Vorkehrung zum Treiben nicht. Auch andere frühe Kartoffeln kommen vierzehn Tage früher in Ertrag, wenn sie im Hause getrieben und mit den Keimen in vorher gemachte Vertiefungen gepflanzt werden.
